Jimdo macht eine Website weder barrierefrei noch nicht barrierefrei. Jimdo erzeugt Vorlagen, Warenkorb und Bestellvorgang; Sie wählen Farbset, Überschriften, Bilder, Widgets und – wenn Sie möchten – eigenen Layout-Code. Jimdo sagt es selbst: Für die Einhaltung des BFSG sind die Betreiber einer gewerblichen Website verantwortlich, Jimdo unterstützt mit einem Leitfaden [3]. Viele Jimdo-Seiten gehören sehr kleinen Unternehmen. Die erste Frage ist deshalb, ob das Gesetz für Ihre Seite überhaupt gilt.
Gilt das BFSG für Ihre Jimdo-Website?
Wenn Sie über einen Jimdo-Shop an Verbraucherinnen und Verbraucher verkaufen oder online Buchungen und Zahlungen annehmen, erbringen Sie eine „Dienstleistung im elektronischen Geschäftsverkehr“ (§ 1 Abs. 3 Nr. 5 BFSG), für die das BFSG seit dem 28. Juni 2025 gilt [1]. Es setzt den European Accessibility Act um; andere EU-Länder haben vergleichbare Gesetze [2].
Ausgenommen sind Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen: weniger als zehn Beschäftigte und höchstens 2 Mio. € Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme (§ 2 Nr. 17, § 3 Abs. 3 BFSG) [1]. Beide Bedingungen müssen erfüllt sein. Wie Sie Beschäftigte zählen und was in einer Unternehmensgruppe gilt, steht auf unserer Seite zur Ausnahme für Kleinstunternehmen. Jimdo bietet zusätzlich einen Selbsttest zur ersten Orientierung an und betont, dass er keine Rechtsberatung ist [10]. Ein Shop, der nur an Gewerbekunden verkauft, erbringt keine Dienstleistung für Verbraucher.
Eine Jimdo-Website ohne Shop oder Buchungsfunktion ist ein anderer Fall. Das BFSG erfasst bestimmte Dienstleistungen – Onlinehandel, Bankdienstleistungen, Telekommunikation, E-Books, Personenbeförderung. Eine reine Informationsseite eines privaten Unternehmens gehört in der Regel nicht dazu; eine Buchungs- oder Bestellfunktion darauf kann es sein. Öffentliche Stellen fallen unter die BITV 2.0. Mehr in BFSG für Onlineshops und im Leitfaden zu BFSG und EAA.
Was Jimdo mitbringt – und was nicht
Jimdos Leitfaden zur Barrierefreiheit ist für Websites mit Jimdo Creator geschrieben [5]; die hier genannten Einstellungen sind die von Creator. Jimdo hostet die Website und erzeugt Vorlagen, Warenkorb und Bestellvorgang.
Sie bekommen:
- Einen Leitfaden und eine Checkliste. Das Hilfe-Center erklärt Alt-Texte, Überschriften, Links, Medien, Formulare und Farben für Creator-Seiten, mit den anzustrebenden Kontrastwerten [5].
- Alt-Text-Felder fast überall. Bild, Bild mit Text, jedes Galeriebild, Hintergrundbilder und das Logo bekommen jeweils einen eigenen Alternativtext [6].
- Mobilfreundliche Vorlagen. Laut Jimdo sind die Vorlagen standardmäßig mobilfreundlich; Jimdo rät trotzdem, auf mehreren Geräten zu testen [5].
- Einen Cookie-Hinweis zum Einschalten. Den Hinweis aktivieren Sie unter Einstellungen → Datenschutz und Sicherheit [9].
Sie bekommen nicht:
- Barrierefreie Farben ab Werk. Jimdo schreibt selbst, dass nicht alle vorgeschlagenen Farbsets in den Creator-Vorlagen barrierefrei sind; anpassen müssen Sie sie selbst [5].
- Freie Hand im Shop. Der Warenkorb wird automatisch erzeugt und übernimmt Ihre Style-Einstellungen. Button-Texte können Sie ändern, das Warenkorb-Symbol und die einzelnen (Pflicht-)Felder nicht [7].
- Support für eigenen Code. HTML in Textelementen, das Element Widget/HTML, Code im Head-Bereich und ein komplett eigenes Layout sind möglich – bei eigenem Code verlässt sich der Jimdo-Support aber darauf, dass Sie sich auskennen [8].
- Abdeckung durch Jimdos Erklärung. Jimdos eigene Erklärung zur Barrierefreiheit gilt für jimdo.com sowie Hilfe- und Marketingseiten [4], nicht für die Websites der Kundinnen und Kunden.
Was wir auf Jimdo-Seiten finden
Farbsets mit zu wenig Kontrast
Das Farbset wird einmal gewählt und gilt überall, eine schwache Kombination fällt also auf jeder Seite durch. Typisch sind hellgrauer Text auf Weiß, weiße Schrift auf hellem Foto und farbige Buttons mit heller Beschriftung. Jimdo weist darauf hin, dass Felder oder Beschriftungen im Warenkorb unsichtbar werden können, wenn das Farbschema Transparenzen nutzt [7].
Drei Überschriftengrößen nach Optik
Creator bietet große, mittlere und kleine Überschriften, also H1, H2 und H3 [5]. Wird „groß“ gewählt, weil es gut aussieht, stehen mehrere H1 auf einer Seite; ist ein Abschnittstitel nur fetter Fließtext, fehlt er in der Gliederung, über die Screenreader-Nutzer navigieren.
Cookie-Hinweis, Widgets und Einbettungen
Buchungstools, Karten, Newsletter-Formulare und Videos kommen über das Element Widget/HTML [8]. Jedes bringt eigenes Markup mit, oft ein Iframe ohne Titel oder ein Pop-up, das den Fokus nicht übernimmt. Für YouTube zeigt Jimdo, wie Untertitel im Einbettungscode standardmäßig eingeschaltet werden [5]. Testen Sie den Cookie-Hinweis und jedes Widget mit der Tastatur.
Shop-Seiten und Warenkorb
Produktvarianten, Produktbilder und „In den Warenkorb“ sind die Stellen, an denen ein Jimdo-Shop geprüft wird. Der Warenkorb sitzt oben rechts, Symbol und Felder lassen sich nicht ändern [7]. In Ihrer Hand liegen also Kontrast, Produktdaten und Alt-Texte. Ob Tastaturnutzer den Warenkorb erreichen und erfahren, dass etwas hinzugefügt wurde, prüfen Sie selbst.
Spracheinstellung und Systemtexte
Jimdo bietet nur eine begrenzte Auswahl an Website-Sprachen, und Systemtexte – auch im Onlineshop – erscheinen nur in der gewählten Sprache [5]. Enthält die Seite Passagen in einer zweiten Sprache, müssen diese ausgezeichnet sein, sonst sprechen Screenreader sie falsch aus.
Das eigene Layout
Mit einem eigenen Layout aus HTML und CSS ersetzen Sie das Markup der Vorlage durch Ihres [8]. Ab dann sind Skip-Link, Fokusdarstellung, Menü und Lesereihenfolge Ihr Code, und nichts, was Jimdo an seinen Vorlagen verbessert, kommt bei Ihnen an.
Wo Sie zuerst prüfen sollten
| Kriterium | Warum bei Jimdo | Automatisierbar |
|---|---|---|
| 1.4.3 Kontrast (Minimum) (AA) | Farbsets, Warenkorbfelder mit Transparenz | Automatisiert |
| 1.3.1 Info und Beziehungen (A) | Große/mittlere/kleine Überschrift nach Optik | Teilweise automatisiert |
| 1.1.1 Nicht-Text-Inhalt (A) | Hintergrundbilder, Logo, Produktbilder | Teilweise automatisiert |
| 3.1.1 Sprache der Seite (A) | Spracheinstellung der Website | Automatisiert |
| 3.1.2 Sprache von Teilen (AA) | Passagen in zweiter Sprache | Teilweise automatisiert |
| 4.1.2 Name, Rolle, Wert (A) | Widget/HTML-Einbettungen, Icon-Buttons | Teilweise automatisiert |
| 1.2.2 Untertitel (aufgezeichnet) (A) | Eingebettete Videos | Nur manuell |
| 2.4.7 Fokus sichtbar (AA) | CSS im eigenen Layout | Teilweise automatisiert |
| 4.1.3 Statusmeldungen (AA) | „In den Warenkorb“ | Nur manuell |
| 3.3.1 Fehlererkennung (A) | Kontaktformular, Bestellvorgang | Nur manuell |
„Automatisiert“: Eine Regel entscheidet das Kriterium allein. „Teilweise automatisiert“: Eine Regel findet einen Teil der Fehler, den Rest beurteilt ein Mensch. Alle Kriterien: WCAG 2.2 AA, Kriterium für Kriterium.
Eine sinnvolle Reihenfolge
- Zuerst den Anwendungsbereich klären. Gibt es einen Shop oder eine Buchungsfunktion, und sind Sie ein Kleinstunternehmen? Gilt das BFSG nicht, lohnen sich die folgenden Schritte trotzdem – nur ohne Frist.
- Das Farbset korrigieren. Text, Buttons und Warenkorbfelder gegen die Kontrastwerte prüfen und das Set in den Style-Einstellungen anpassen [5][7].
- Sprache und Überschriften festlegen. Website-Sprache wählen, dann pro Seite genau eine große Überschrift und darunter mittlere und kleine für die folgenden Ebenen [5].
- Alt-Texte überall dort, wo Jimdo ein Feld anbietet. Bilder, Galerien, Hintergrundbilder, Logo und Produkte [6].
- Widgets und Code inventarisieren. Jedes Element Widget/HTML, jedes Skript im Head und gegebenenfalls das eigene Layout auflisten. Jeweils mit der Tastatur testen; Video-Untertitel einschalten [5][8].
- Die Bestellung von Hand durchgehen. Produkt → Variante → Warenkorb → Bestellvorgang → Zahlung im Testmodus. Was Sie in Warenkorb oder Bestellvorgang nicht ändern können, melden Sie Jimdo – Rückmeldungen zur Barrierefreiheit nimmt Jimdo unter barrierefreiheit@jimdo.com entgegen [4] – und nennen es als bekannte Einschränkung.
Was Reviseberg auf Jimdo-Seiten prüft – und was Sie selbst testen
Reviseberg crawlt Ihre veröffentlichte Website einschließlich der Shop-Seiten und führt auf jeder Seite alle axe-core-Regeln in einer Desktop-Breite von 1280 Pixeln aus. Die Regeln, deren Ergebnis vom Layout abhängt – etwa Kontrast und Zielgröße –, laufen zusätzlich bei 360 Pixeln. Die Ergebnisse sind WCAG 2.2 A/AA und EN 301 549 zugeordnet. Befunde werden je Regel zu Issues zusammengefasst und danach sortiert, wie viele Punkte ihre Behebung bringt. Eine schwache Farbkombination ist deshalb ein Issue auf allen Seiten und nicht ein Eintrag pro Seite. Liegt die Ursache in Markup, das nur Jimdo ändern kann, markieren Sie das Issue mit Begründung als „nicht behebbar“ – es bleibt dokumentiert.
Der Tastatur-Agent öffnet die Seiten einer Journey, die Sie festlegen – etwa Startseite und Produktseite –, drückt auf jeder Tab, Umschalt+Tab und Escape und protokolliert jeden Schritt. Er meldet unerreichbare Elemente, verschwindenden oder unsichtbaren Fokus, fehlende Skip-Links und Tastaturfallen. Formulare füllt er nicht aus, und er bestellt nicht. Warenkorb und Bestellvorgang gehen Sie also selbst. Der kostenlose Bericht umfasst bis zu 100 Seiten und den Tastatur-Agenten auf einer Seite Ihrer Wahl.
Selbst testen müssen Sie weiterhin: ob Alt-Texte das Bild sinnvoll beschreiben, ob Fehlermeldungen verständlich sind und wie sich die Website mit Screenreader und Zoom verhält. Agenten für Screenreader, Zoom und Sprachsteuerung sind noch nicht gebaut. Für diese Kriterien gibt es geführte manuelle Tests in der Plattform, und ein Kriterium, das niemand geprüft hat, gilt als ungeprüft – nie als bestanden. Wir installieren nichts auf Ihrer Website und setzen kein Overlay-Skript ein.
Geschrieben, um nützlich zu sein, nicht als Rechtsberatung. Stand: 27. September 2026.