Ein Agent live · sieben in Entwicklung

Tastaturbedienbarkeit testen: echte Tasten, klare Belege

Tastaturbedienbarkeit testen heißt: eine Website nur mit der Tastatur bedienen und prüfen, ob jedes Element erreichbar ist, der Fokus sichtbar bleibt und nichts den Fokus festhält. Der Tastatur-Agent von Reviseberg übernimmt den Teil davon, den eine Maschine verlässlich kann: Er drückt Tab durch die Seiten, die Sie benennen – mit echten Tastenereignissen – und speichert zu jedem Schritt einen Pfad als Nachweis, damit Sie den Test prüfen können, statt ihn zu wiederholen.

Kostenlos prüfen – der Vollbericht enthält einen Tastatur-Durchlauf

Kleine Barriere. Verlorener Kunde.

Illustratives Beispiel

Tastatur-Protokoll

Tab

Alles beginnt mit einer Taste.

Der Agent folgt der Tab-Reihenfolge. Der Button erhält den Fokus und kann den Dialog öffnen.

Fokus sichtbar · Button erreicht

Ein beispielhafter Tastaturtest. Hier läuft kein Live-Scan.

Warum ein Tastaturtest?

Viele Menschen bedienen Websites ohne Maus: mit der Tastatur, mit Schaltern, mit Sprachsteuerung oder mit einem Screenreader, der sich ebenfalls über die Tastatur bewegt. Für sie ist ein Button, den Tab nicht erreicht, schlicht nicht vorhanden. Ein Dialog, aus dem man nicht mehr herauskommt, beendet den Besuch.

Regel-Scanner sehen davon wenig. Sie prüfen einen Zustand der Seite, zum Beispiel ob ein Element einen positiven tabindex hat. Ob man durch ein Menü, einen Filter oder einen Checkout tatsächlich hindurchkommt, zeigt sich erst, wenn jemand die Tasten drückt. Deshalb gibt es den Tastatur-Agenten.

Was der Tastatur-Agent tut

Sie nennen die Seiten, die er gehen soll – Warenkorb, Buchungsstrecke, Antragsformular. Der Agent steuert Chromium mit echten Tastenereignissen, nie mit einem gescripteten Fokus-Aufruf. Ein gescripteter Aufruf erreicht Elemente, die die Tab-Reihenfolge nicht erreicht – und genau diese Lücke ist der Fehler, den er sucht.

Auf jeder Seite:

  • hält er vor dem ersten Tastendruck fest, wie jedes fokussierbare Element ohne Fokus aussieht,
  • drückt er Tab und notiert, wohin der Fokus springt, mit Rolle und Namen des Elements,
  • vergleicht er das fokussierte Element mit seinem Aussehen vorher – am Element selbst, an ::before und ::after, am Elternelement und an den nächsten Elementen darin (bei einer Karte als Link sitzt der Ring oft auf der Karte), bei einem selbst unsichtbaren Formularfeld an seinem sichtbaren Label (so zeichnet Bootstrap seine Checkboxen), weil Designsysteme den Fokusring an jeder dieser Stellen zeichnen,
  • prüft er, ob der Fokus auf etwas ohne Größe, Transparentem oder außerhalb des Bildschirms landet,
  • sucht er nach Elementen, die sich wie Bedienelemente verhalten, aber von keinem Tab erreicht werden,
  • prüft er, ob das erste fokussierbare Element ein funktionierender Link zum Hauptinhalt ist,
  • bestätigt er eine Tastaturfalle mit Tab, Umschalt+Tab und Escape, bevor er sie Falle nennt.

Enter und Leertaste drückt er nicht: Menüs und Dialoge öffnet er nicht. Bei einem Crawl aus einem Konto läuft derselbe Gang außerdem auf einer Seite je Template, das der Crawl findet, und eine eigene Prüfung betätigt dort Bedienelemente mit Enter und Leertaste. Sie meldet einen Dialog oder ein Menü, in das der Fokus nicht wandert und das er auch nicht als Nächstes erreicht, Fokus, der beim Schließen verloren geht, und eine Falle oder unsichtbaren Fokus darin. Die Fokussteuerung in Dialogen hinter einem Schritt, den sie nicht gehen kann, bleibt eine manuelle Prüfung.

Der Agent läuft bei jedem vollständigen Crawl, in jedem Tarif und im kostenlosen Konto. Im kostenlosen Vollbericht geht er die Startseite, die Sie im Formular angeben. Der Sofort-Scan einer einzelnen Seite und die Einzelseiten-Prüfung lassen ihn aus.

Was er meldet – und welche WCAG-Kriterien betroffen sind

Was der Tastatur-Agent meldet und unter welchen Kriterien
BefundRegelWCAG 2.2EN 301 549 (V3.2.1)
Ein Element verhält sich wie ein Bedienelement, aber weder Tab noch Pfeiltaste erreicht eskeyboard:unreachable2.1.1 Tastatur (A)9.2.1.1
Tastaturfalle: Der Fokus kommt mit Tab, Umschalt+Tab und Escape nicht mehr herauskeyboard:trap2.1.2 Keine Tastaturfalle (A)9.2.1.2
Kein funktionierender Weg, die wiederholte Navigation zu überspringenkeyboard:skip-link2.4.1 Blöcke umgehen (A)9.2.4.1
Der Fokus landet auf etwas ohne Größe, Transparentem oder außerhalb des Bildschirmskeyboard:focus-invisible2.4.7 Fokus sichtbar (AA)9.2.4.7
Der Fokus landet auf einem Element, und an ihm ändert sich nichtskeyboard:focus-visible2.4.7 Fokus sichtbar (AA)9.2.4.7

Findet der Agent auf seinen Seiten keinen Fehler, bleiben diese Kriterien „teilweise“ und werden nicht „bestanden“: Ein Agent geht die Seiten, die Sie benannt haben, nicht jede, und ob eine Reihenfolge inhaltlich sinnvoll ist, entscheidet am Ende ein Mensch. Die Fokus-Reihenfolge (2.4.3) beurteilt deshalb eine Person – der Pfad des Agenten zeigt ihr die Reihenfolge, die er gefunden hat. Ob ein fixierter Header oder ein Cookie-Banner das fokussierte Element verdeckt (2.4.11), prüft der Agent nicht; dafür gibt es eine geführte manuelle Prüfung. Wie jeder Status entsteht, erklärt unsere Prüfmethodik.

Jeder Befund zeigt seinen Rechenweg

Ein Score, den man nicht hinterfragen kann, ist ein Risiko. Öffnen Sie einen Tastatur-Befund und Sie sehen den Lauf dahinter. Prüfer und Entwickler schauen auf dasselbe Artefakt.

Jeder Befund zeigt seinen Rechenweg
SchrittWas gespeichert wirdWas ein Mensch damit tut
Jeder TastendruckTaste, fokussiertes Element, seine Rolle und sein NameDenselben Pfad in 20 Sekunden nachgehen
Jeder FehlerScreenshot der Seite in diesem MomentBestätigen oder als Fehlalarm mit Begründung markieren
Jedes UrteilBestanden, nicht bestanden oder „Mensch“ – mit BegründungDie Fälle entscheiden, die der Agent offenlässt

Tastatur-Befunde erscheinen in der Issue-Liste mit „Punkten zurück“ wie alle anderen. Entwickler können sie über den MCP Server direkt im Coding-Agenten abrufen, etwa keyboard:focus-visible mit Selektor und betroffener Seite.

Tastaturtest selbst machen: in fünf Minuten

Sie wollen erst selbst prüfen? So testen Sie die Tastaturbedienbarkeit Ihrer Website ohne Werkzeug:

  1. Klicken Sie in die Adressleiste und drücken Sie Tab. Das erste fokussierte Element sollte ein Skip-Link sein („Zum Inhalt springen“). Enter muss zum Hauptinhalt führen.
  2. Drücken Sie weiter Tab. Sehen Sie bei jedem Schritt, wo der Fokus ist? Folgt die Reihenfolge dem Lesefluss?
  3. Öffnen Sie Menü, Filter und Dialoge mit Enter oder Leertaste. Schließen Sie sie mit Escape. Kehrt der Fokus an eine sinnvolle Stelle zurück?
  4. Gehen Sie mit Umschalt+Tab zurück. Kommen Sie aus jedem Bereich wieder heraus?
  5. Achten Sie auf fixierte Header, Cookie-Banner und Chat-Fenster: Verdecken sie das fokussierte Element?
  6. Spielen Sie Ihre wichtigste Strecke bis zum letzten Schritt durch – ohne Maus.

Das dauert für eine Seite fünf Minuten. Für eine ganze Website bei jedem Release dauert es zu lange. Dafür ist der Agent da – und für die Schritte 3 und 5, die er nicht übernimmt, die geführten Prüfungen in Reviseberg.

Ehrliche Grenzen

Manche Urteile stehen uns nicht zu. Sie bleiben bei Menschen – und das Produkt sagt das in der Oberfläche, statt still zu raten:

  • Qualität einfacher Sprache und redaktionelle Absicht
  • Qualität von Gebärdensprach-Übersetzungen
  • Rechtliche Freigabe der Erklärung zur Barrierefreiheit
  • Abläufe mit echter Zahlung oder echten Ausweisdokumenten
  • Alles, was die Belege nicht eindeutig machen – es wird mit „Mensch“ markiert statt behauptet

Liegt der Agent falsch, markieren Sie den Befund als Fehlalarm mit Begründung. Er kostet dann keine Punkte mehr und lässt sein Kriterium nicht mehr scheitern. Übereinstimmungsraten mit menschlichen Prüfern veröffentlichen wir, sobald es genug Laufhistorie gibt, um sie zu berechnen – nicht vorher.

Sieben weitere Agenten, in Entwicklung

Heute läuft ein Agent: Tastatur und Fokus. Die folgenden sieben gibt es noch nicht. Keiner davon ist im Produkt, keiner fließt in einen Score oder Status ein, und jeder ist hier als „In Entwicklung“ gekennzeichnet, bis er echt läuft.

  • Screenreader In Entwicklung

    Die Seite gelesen mit NVDA-, JAWS- und VoiceOver-Semantik. Ergebnis: die aufgezeichnete Sprachausgabe gegen das, was hätte angesagt werden müssen.

  • Alt-Text-Relevanz In Entwicklung

    Ein Bildmodell fragt, ob der Text dieses Bild in diesem Kontext beschreibt. Heute schreibt das Modell einen Vorschlag für eine fehlende Alternative; einen vorhandenen Text zu bewerten ist der nächste Schritt.

  • Zoom, Reflow & Kontrast In Entwicklung

    400 % Zoom, 320 px Reflow, Textabstände, Kontrast im tatsächlich gerenderten Zustand inklusive Hover und Fokus.

  • Formulare & Fehler In Entwicklung

    Beschriftungen, Hinweise, Fehlererkennung, Korrekturvorschläge, Pflichtfelder — und ob Fehler die assistive Technologie erreichen.

  • Medien & Untertitel In Entwicklung

    Untertitel vorhanden und synchron, Audiodeskription, Autoplay, Steuerelemente per Tastatur erreichbar.

  • Zeigegeräte & Sprachsteuerung In Entwicklung

    Zielgröße, Alternativen zum Ziehen, Zeigerabbruch — und ob sichtbare Beschriftungen zum barrierefreien Namen passen.

  • Inhaltliche Prüfung In Entwicklung

    Linkzweck außerhalb des Kontexts, Überschriftenstruktur, rein sensorische Anweisungen, Sprache einzelner Passagen.

Richten Sie den Agenten auf Ihre schwierigste Seite

Checkout, Buchungsstrecke, Antragsformular: Nennen Sie die Seite, auf der der Tastatur-Durchlauf beginnen soll – am besten die, vor deren Test Ihr Team am meisten zurückschreckt.

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Häufige Fragen

Wie teste ich die Tastaturbedienbarkeit einer Website?

Bedienen Sie die Seite nur mit Tab, Umschalt+Tab, Enter, Leertaste und Escape. Prüfen Sie, ob jedes Element erreichbar ist, der Fokus immer sichtbar ist und Sie aus jedem Bereich wieder herauskommen. Der Tastatur-Agent von Reviseberg übernimmt die Tab-Durchläufe automatisch und speichert jeden Schritt.

Was ist eine Tastaturfalle?

Ein Bereich, in den man per Tastatur hineinkommt, aber nicht wieder heraus – oft ein Dialog, ein eingebettetes Video oder ein Widget. Das verletzt WCAG 2.1.2. Der Agent meldet eine Falle erst, wenn Tab, Umschalt+Tab und Escape sie bestätigt haben.

Findet ein normaler Barrierefreiheits-Scanner Tastaturprobleme?

Nur teilweise. Regeln erkennen einzelne Muster im Code, etwa einen positiven tabindex. Ob Fokus sichtbar ist, verschwindet oder festhängt, zeigt sich erst beim Bedienen.

Nutzt der Agent echte Tastendrücke?

Ja. Er steuert Chromium mit echten Tastenereignissen. Gescriptete Fokus-Aufrufe würden Elemente erreichen, die ein Mensch mit Tab nie erreicht.

Ist der Tastatur-Agent in allen Tarifen enthalten?

Ja, er läuft bei jedem vollständigen Crawl, auch im kostenlosen Konto. Der kostenlose Vollbericht enthält einen Durchlauf ab der Startseite, die Sie angeben.

Gibt es auch einen Screenreader-Agenten?

Noch nicht. Er ist in Entwicklung. Bis es ihn gibt, prüfen Sie die Kriterien, die einen Screenreader brauchen, mit den geführten manuellen Tests.

Quellen

  1. W3C: WCAG 2.2 – https://www.w3.org/TR/WCAG22/
  2. W3C: Understanding SC 2.1.1 Keyboard – https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/keyboard.html
  3. W3C: Understanding SC 2.1.2 No Keyboard Trap – https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/no-keyboard-trap.html
  4. W3C: Understanding SC 2.4.7 Focus Visible – https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/focus-visible.html
  5. W3C: Understanding SC 2.4.11 Focus Not Obscured (Minimum) – https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/focus-not-obscured-minimum.html
  6. ETSI: EN 301 549 V3.2.1 – https://www.etsi.org/deliver/etsi_en/301500_301599/301549/03.02.01_60/en_301549v030201p.pdf

Weiterlesen

  • Prüfmethodik

    Unser Prüfverfahren offen erklärt: axe-core-Regeln, Tastatur-Agent, Status je WCAG-Kriterium, Score-Berechnung und die Grenzen der Automatisierung.

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