Glossar · Assistive Technologien

Sprachsteuerung

Definition: Sprachsteuerung bedeutet, einen Computer oder ein Smartphone mit gesprochenen Befehlen zu bedienen – etwa „Klick auf Senden“ oder „Nach unten scrollen“. Auf Websites funktioniert das nur, wenn der sichtbare Text eines Bedienelements auch in seinem zugänglichen Namen steckt (WCAG 2.5.3) [1].

Englisch: Voice control · Auch: Spracherkennung · Zuletzt geprüft: 27. September 2026

Wer Sprachsteuerung nutzt

Menschen, die Maus und Tastatur nicht oder nur mit Schmerzen bedienen können: nach einem Schlaganfall, bei Lähmungen, Muskelerkrankungen, Sehnenscheidenentzündung oder einer Verletzung der Hände. Die großen Systeme haben Sprachsteuerung eingebaut – etwa Voice Control auf dem Mac und dem iPhone, Voice Access unter Android und die Sprachzugriffsfunktion unter Windows. Dazu kommen spezialisierte Programme wie Dragon.

Wie es funktioniert

Die Software liest die Seite über dieselbe Schnittstelle wie ein Screenreader, den Accessibility Tree. Sagt jemand „Klick auf Warenkorb“, sucht sie ein Element, dessen Name „Warenkorb“ enthält. Findet sie keins, kann die Person Nummern über alle Bedienelemente legen lassen („Nummern anzeigen“) und dann „Klick 14“ sagen – oder ein Raster und sich mit dem Mauszeiger mühsam heranarbeiten.

Warum es scheitert

Der häufigste Fehler: Sichtbarer Text und zugänglicher Name passen nicht zusammen.

  • Ein Button zeigt „Senden“, hat aber aria-label="Formular abschicken". Der Befehl „Klick auf Senden“ findet ihn nicht.
  • Ein Link zeigt „Mehr“, hat aber ein aria-label mit dem Artikeltitel.
  • Ein Icon-Button ohne sichtbaren Text: Niemand weiß, welches Wort man sagen soll.

WCAG 2.5.3 „Beschriftung im Namen“ (Stufe A) verlangt deshalb: Wenn ein Bedienelement sichtbaren Text hat, enthält sein zugänglicher Name diesen Text – am besten am Anfang [1][2].

Weitere Hürden sind Funktionen, die nur mit Ziehen oder komplexen Gesten funktionieren (WCAG 2.5.7), und Tastaturkürzel aus einzelnen Buchstaben, die gesprochene Wörter versehentlich auslösen (WCAG 2.1.4).

Im Code

<!-- Name passt nicht zum Text -->
<button aria-label="Formular abschicken">
  Senden
</button>
<!-- Der sichtbare Text ist der Name -->
<button>Senden</button>

Wie Reviseberg damit umgeht

Reviseberg prüft mit axe-core, ob Links, Buttons und Formularfelder überhaupt einen Namen haben – ohne Namen findet auch die Sprachsteuerung nichts. Ob der sichtbare Text im Namen steckt und ob Befehle in der Praxis funktionieren, beurteilt ein Mensch: Ein Sprachsteuerungs-Agent ist heute nicht Teil von Reviseberg.

Verwandte Begriffe

Zugänglicher Name · Assistive Technologie · Zielgröße · ARIA · Formularbeschriftung

Weiterführend

Häufige Fragen

Wie teste ich meine Website mit Sprachsteuerung?

Schalten Sie Voice Control auf dem Mac oder Voice Access unter Android ein und versuchen Sie, jede Schaltfläche mit ihrem sichtbaren Text anzusprechen. Was nicht reagiert, hat meist einen abweichenden Namen.

Darf ein aria-label mehr sagen als der sichtbare Text?

Ja, solange der sichtbare Text darin enthalten ist, am besten am Anfang: „Senden – Kontaktformular“ statt „Kontaktformular abschicken“.

Brauchen Icon-Buttons sichtbaren Text?

Nicht zwingend, aber er hilft sehr. Ohne Text muss die Person raten, welchen Namen sie sagen soll, oder auf Nummern ausweichen.

Quellen

  1. W3C, WCAG 2.2, Erfolgskriterium 2.5.3 Label in Name – https://www.w3.org/TR/WCAG22/#label-in-name
  2. W3C, Understanding SC 2.5.3 Label in Name – https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/label-in-name
  3. W3C WAI, Tools and Techniques – https://www.w3.org/WAI/people-use-web/tools-techniques/

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