Definition: Einfache Sprache ist verständliche Standardsprache: kurze Sätze, bekannte Wörter, eine klare Gliederung. Sie richtet sich an ein breites Publikum und ist weniger streng geregelt als Leichte Sprache. Die Norm ISO 24495-1 beschreibt das Ziel so: Lesende finden schnell, was sie brauchen, verstehen es und können damit handeln [1].
Englisch: Plain language · Auch: verständliche Sprache · Zuletzt geprüft: 27. September 2026
Worum es geht
Einfache Sprache ist kein Sonderstil für eine kleine Gruppe. Sie ist gut geschriebenes Deutsch, das man beim ersten Lesen versteht. Eine Rückgabe-Seite im Shop, ein Vertragsschritt oder eine Fehlermeldung im Formular wird dadurch nicht kindlich, sondern klar.
Die internationale Norm ISO 24495-1 aus dem Jahr 2023 gibt es seit 2024 auch als deutsche Fassung DIN ISO 24495-1 [1]. Sie nennt vier Prinzipien:
- Relevant: Der Text enthält, was die Lesenden brauchen, und lässt den Rest weg.
- Auffindbar: Überschriften, Listen und eine sinnvolle Reihenfolge führen schnell zur Information.
- Verständlich: Wörter, Sätze und Aufbau sind klar.
- Nutzbar: Die Lesenden können mit der Information tun, was sie vorhatten.
Für wen Einfache Sprache wichtig ist
Klare Texte helfen Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder Leseschwierigkeiten, Menschen, die Deutsch als Zweitsprache sprechen, und allen, die unter Zeitdruck oder Stress lesen. Auch wer einen Screenreader nutzt, profitiert: Kurze Sätze und klare Überschriften lassen sich beim Zuhören leichter behalten [4].
Einfache Sprache oder Leichte Sprache?
Leichte Sprache folgt festen Regeln, richtet sich vor allem an Menschen mit Lernschwierigkeiten und wird von Prüferinnen und Prüfern aus dieser Gruppe gelesen. Einfache Sprache liegt näher an der Standardsprache und hat keine feste Prüfung durch eine Zielgruppe. Sie passt für die meisten Texte einer Website. Viele Organisationen schreiben den Haupttext in Einfacher Sprache und bieten wichtige Inhalte zusätzlich in Leichter Sprache an.
Beispiele
- Vorher: „Die Eingabe ist ungültig.“ Nachher: „Bitte geben Sie Ihre Postleitzahl mit fünf Ziffern ein.“
- Vorher: „Die Rücksendung hat unter Verwendung des beigefügten Retourenscheins zu erfolgen.“ Nachher: „Legen Sie den Rücksendeschein aus dem Paket bei.“
- Vorher: „Informationen zur Barrierefreiheit“ als einziger Link-Text. Nachher: „So nutzen Sie den Shop mit Tastatur und Screenreader“.
Die Regel dahinter ist fast immer dieselbe: Sagen Sie, wer was tun soll, im Aktiv und mit dem Wort, das die Lesenden selbst benutzen würden.
Häufige Missverständnisse
- „Einfach heißt ungenau.“ Klare Sprache kann präzise sein. Oft ist sie präziser, weil Mehrdeutigkeit wegfällt.
- „Ein guter Lesbarkeitswert beweist Verständlichkeit.“ Formeln wie der Flesch-Index zählen Satzlänge und Silben. Ob ein Text Sinn ergibt, messen sie nicht.
- „Die WCAG schreiben Einfache Sprache vor.“ Das Kriterium 3.1.5 Leseniveau steht auf Stufe AAA und ist damit in der Regel kein Ziel für eine ganze Website [2][3]. Verständliche Beschriftungen und Fehlermeldungen verlangen aber auch Kriterien der Stufen A und AA, etwa 3.3.2 Beschriftungen oder Anweisungen.
Wie Reviseberg damit umgeht
Reviseberg misst die Lesbarkeit jeder Seite mit dem Flesch-Index, für deutsche Texte in der Anpassung von Amstad. Schwer lesbare Seiten meldet die Regel qa:hard-to-read. Sie gehört zum Qualitätsmodul und verändert den Barrierefreiheits-Score nie, denn das Leseniveau ist WCAG 3.1.5, Stufe AAA. Auf Wunsch schlägt eine KI eine Fassung in Einfacher Sprache vor. Der Vorschlag muss beim Lesbarkeitswert besser abschneiden als das Original, sonst meldet Reviseberg ihn als „nicht leichter“, mit beiden Werten. Ob der Sinn erhalten bleibt, entscheidet ein Mensch. Nichts wird automatisch auf Ihre Website übernommen.
Verwandte Begriffe
Leichte Sprache · Formularbeschriftung · Transkript · Deutsche Gebärdensprache · Digitale Barrierefreiheit