Ein plentymarkets-Shop ist weder barrierefrei noch nicht barrierefrei. plentymarkets – seit November 2024 unter dem Namen PlentyONE [3] – ist zuerst eine Warenwirtschaft, und der Webshop ist ein Vertriebskanal unter vielen. Entscheidend ist, was dieser Shop ausliefert: die Storefront, die Sie betreiben, Ihr Theme und Ihre Plugins und Artikeldaten, die oft für Marktplätze statt für die eigene Seite geschrieben wurden. Diese Seite trennt, was PlentyONE mitbringt, von dem, was Ihre Aufgabe bleibt, und nennt die Stellen, die Sie zuerst prüfen sollten.
Gilt das BFSG für Ihren plentymarkets-Shop?
Wenn Sie über Ihren plentymarkets-Shop an Verbraucherinnen und Verbraucher verkaufen, erbringen Sie eine „Dienstleistung im elektronischen Geschäftsverkehr“ (§ 1 Abs. 3 Nr. 5 BFSG). Dafür gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz seit dem 28. Juni 2025 [1]. Es setzt den European Accessibility Act um; wer in andere EU-Länder verkauft, trifft dort auf vergleichbare nationale Gesetze [2].
Ausgenommen sind Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen: weniger als zehn Beschäftigte und höchstens 2 Mio. € Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme (§ 2 Nr. 17, § 3 Abs. 3 BFSG) [1]. Beide Bedingungen müssen erfüllt sein. Ein reiner B2B-Shop, der nur an Gewerbekunden verkauft, erbringt keine Dienstleistung für Verbraucher. Wer beides macht, sollte den Verbraucherteil als erfasst behandeln.
Diese Seite behandelt Ihren eigenen Shop. Viele plentymarkets-Händler verkaufen zusätzlich auf Marktplätzen; was dort gilt und wie Beschäftigte gezählt werden, steht auf unserer Seite zur Ausnahme für Kleinstunternehmen. Anwendungsbereich, Marktüberwachung und Pflichtinformationen erklärt unser Überblick BFSG für Onlineshops. Zum Vergleich: JTL-Shop und Shopware.
Was plentymarkets mitbringt – und was nicht
Sie bekommen:
- Zwei Storefronts zur Wahl. Der aktuelle PlentyONE Shop ist mit Vue.js 3, Nuxt 4, Tailwind CSS und Storefront UI 2 gebaut [4]; sein Code liegt als Boilerplate auf GitHub [5]. Das ältere plentyShop LTS, ein quelloffenes Template-Plugin auf Basis von Twig und Vue.js [8], betreibt noch viele Shops. Das Handbuch empfiehlt den Umstieg auf den Nachfolger, ein Ende der Unterstützung ist aber nicht festgelegt [6].
- Hinweise zur Barrierefreiheit im Handbuch. Das PlentyONE-Handbuch hat einen Abschnitt zum BFSG. Es verlangt ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 für Text und 3:1 für großen Text und Grafiken und erklärt, wo Sie in beiden Shops Informationen zur Barrierefreiheit veröffentlichen (Einrichtung » Shop » [Mandant wählen] » Rechtliches) [7].
- Ein Feld für Alt-Texte je Sprache. Für plentyShop LTS zeigt das Handbuch, wo Sie Alternativtexte für Artikelbilder eintragen – je Sprache, in den Übersetzungen des Bildes – und wo für Dateien im Dateimanager [6].
- Eine Herstelleraussage zu plentyShop LTS. Auf derselben Handbuchseite heißt es, der Shop lasse sich vollständig per Tastatur bedienen und verwende ARIA-Labels [6].
Sie bekommen nicht:
- Eine Aussage über Ihren Shop. Die Tastatur-Aussage betrifft plentyShop LTS im Auslieferungszustand. Über Ihr Theme-Plugin, Ihre übrigen Plugins und Ihre Inhalte sagt sie nichts, und für keine der beiden Storefronts nennt das Handbuch eine WCAG-Stufe.
- Barrierefreie Plugins. Plugins werden in einem Plugin-Set installiert und hängen sich oft über Container-Verknüpfungen in den Shop [10]. Jedes bringt eigenes Markup mit.
- Schutz vor Ihrem Theme. Das CSS eines Theme-Plugins überschreibt das Stylesheet von plentyShop LTS, und ein Theme kann die Templates von Vue-Komponenten ersetzen [9]. Kontraste, Fokus-Stile und Beschriftungen sind dann Sache des Themes.
- Alt-Texte, die tatsächlich da sind. Das Feld gibt es; ob es gefüllt ist, hängt an Ihren Artikeldaten. Und Artikeldaten, die aus der Warenwirtschaft oder für Marktplätze gepflegt werden, sind genau in diesem Feld oft leer.
Was wir auf plentymarkets-Shops finden
Theme-Plugins, die mehr als Farben überschreiben
Ein Theme-Plugin erweitert plentyShop LTS über einen Template-Container und ein eigenes Stylesheet, das die betroffenen Klassen überschreibt [9]. Entfernt das Theme den Fokusrahmen oder setzt es Markenfarben unter 4,5:1, geschieht das auf jeder Seite. Themes, die Komponenten-Templates ersetzen – etwa die Artikeleinzelansicht –, übernehmen dieses Markup vollständig, samt jeder Beschriftung, die das Original hatte und die Kopie nicht mehr hat.
Plugins in Containern
Vertrauenssiegel, Cross-Selling, Zahlungslogos, Bewertungen, Chat und Consent-Tools kommen als Plugins, die mit Containern verknüpft sind [10]. Jedes gibt eigenes HTML in Header, Artikelseite oder Kasse aus. Ein Icon-Link ohne Namen in einem Container erscheint auf jeder Seite, die diesen Container hat.
Variantenauswahl und Artikellisten
Artikel mit Varianten lassen Kunden Merkmale wie Größe oder Farbe wählen. Sind diese als Kacheln statt als native Auswahllisten gestaltet, lassen sie sich oft nicht per Tastatur erreichen und zeigen die Auswahl nur über Farbe. Facettenfilter laden die Liste neu, ohne die Trefferzahl anzusagen.
Artikeldaten, die für Marktplätze geschrieben sind
Viele plenty-Händler pflegen Artikeldaten zentral und spielen sie gleichzeitig an Marktplätze und den Shop aus. Alternativtexte für Bilder, nach denen Marktplätze selten fragen, bleiben leer – und der Shop zeigt nichts oder den Dateinamen. Mehrsprachige Shops brauchen den Alternativtext zudem in jeder Sprache [6], und Textpassagen in einer anderen Sprache müssen als solche ausgezeichnet sein.
Warenkorb-Vorschau, Kasse und Zahlungs-Plugins
Nach „In den Warenkorb“ öffnet sich eine Vorschau oder ein Overlay, ohne dass der Fokus hineinwandert und ohne Statusmeldung. In der Kasse binden Zahlungs-Plugins Kartenfelder und Express-Buttons als Iframes ein; ohne title und sinnvolle Fokusreihenfolge endet der Kauf dort. Pflicht-Checkboxen für AGB und Widerrufsbelehrung brauchen eine korrekt verknüpfte Beschriftung und eine verständliche Fehlermeldung.
Der Umstieg auf den PlentyONE Shop
Der neue Shop ist eine andere Codebasis, kein neues Theme: Vue-3-Komponenten und serverseitiges Rendering mit Nuxt [4]. Eine Migration ist der beste Moment, Struktur und Beschriftungen zu reparieren. Sie bringt aber auch die typischen Risiken eines JavaScript-Frontends mit – Seitenwechsel ohne neuen Seitentitel oder Fokus-Rücksetzung und eigene Komponenten, die native Formularelemente ersetzen. Prüfen Sie den neuen Shop wie einen neuen Shop.
Wo Sie zuerst prüfen sollten
| Kriterium | Warum bei plentymarkets | Automatisierbar |
|---|---|---|
| 1.1.1 Nicht-Text-Inhalt (A) | Leere Alt-Texte in synchronisierten Artikelbildern | Teilweise automatisiert |
| 1.4.3 Kontrast (Minimum) (AA) | Theme-Farben, Badges | Automatisiert |
| 2.4.7 Fokus sichtbar (AA) | Theme-CSS überschreibt den Fokusrahmen | Teilweise automatisiert |
| 2.1.1 Tastatur (A) | Varianten-Kacheln, Container-Plugins | Teilweise automatisiert |
| 2.4.3 Fokus-Reihenfolge (A) | Warenkorb-Vorschau, Facettenfilter | Teilweise automatisiert |
| 4.1.2 Name, Rolle, Wert (A) | Icon-Links aus Plugins, ersetzte Komponenten | Teilweise automatisiert |
| 4.1.3 Statusmeldungen (AA) | In den Warenkorb, Filtertreffer | Nur manuell |
| 3.1.2 Sprache von Teilen (AA) | Mehrsprachige Artikeltexte | Teilweise automatisiert |
| 3.3.1 Fehlererkennung (A) | Fehler in der Kasse, Pflicht-Checkboxen | Nur manuell |
| 1.3.5 Eingabezweck bestimmen (AA) | Adressfelder in der Kasse | Teilweise automatisiert |
„Automatisiert“ heißt: Eine Regel kann das Kriterium allein entscheiden. „Teilweise automatisiert“ heißt: Eine Regel findet einen Teil der Fehler, den Rest muss ein Mensch beurteilen. Alle Kriterien stehen in WCAG 2.2 AA, Kriterium für Kriterium.
Eine sinnvolle Reihenfolge
- Klären, welcher Shop an welchem Mandanten hängt. plentyShop LTS oder PlentyONE Shop, welches Theme, welches Plugin-Set. Davon hängt ab, in wessen Code ein Befund steckt.
- Das Theme isolieren. Lassen Sie eine Staging-Kopie einmal mit der reinen Storefront ohne Theme-Plugin prüfen. Was dort verschwindet, kommt aus Ihrem Theme.
- Die Kaufstrecke mit der Tastatur gehen. Startseite → Kategorie → Filter → Artikel → Variante → Warenkorb → Kasse → Zahlung im Testmodus.
- Das Plugin-Set inventarisieren. Listen Sie jedes Plugin mit Frontend-Ausgabe und die Container auf, mit denen es verknüpft ist. Korrigieren, ersetzen oder als bekannte Einschränkung dokumentieren – und Anbieter nach Testnachweisen statt nach einem Siegel fragen.
- Artikeldaten an der Quelle reparieren. Tragen Sie Alternativtexte in den Artikelbildern je Sprache einmal in der Warenwirtschaft ein, nicht Seite für Seite – dann haben sie der Shop und jeder andere Kanal.
- Nach jedem Plugin- oder Shop-Update erneut prüfen. Zahlungs- und Theme-Plugins aktualisieren sich oft. Ein regelmäßiger Crawl fängt Rückschritte ab, bevor Kunden sie melden.
Was Reviseberg auf plentymarkets-Shops prüft – und was Sie selbst testen
Reviseberg crawlt Ihren Shop einschließlich Kategorie- und Artikelseiten und führt auf jeder Seite alle axe-core-Regeln in einer Desktop-Breite von 1280 Pixeln aus. Die Regeln, deren Ergebnis vom Layout abhängt – etwa Kontrast und Zielgröße –, laufen zusätzlich bei 360 Pixeln. Die Ergebnisse sind WCAG 2.2 A/AA und EN 301 549 zugeordnet. Befunde werden je Regel zu Issues zusammengefasst und danach sortiert, wie viele Punkte ihre Behebung bringt. Ein Fehler im Theme erscheint deshalb als ein Issue auf 400 Seiten und nicht als 400 Einzelbefunde. Mit einem Konto kann Reviseberg auch einen passwortgeschützten Staging-Shop crawlen.
Der Tastatur-Agent öffnet die Seiten einer Journey, die Sie festlegen – Kategorie, Artikelseite, Warenkorb –, drückt auf jeder Tab, Umschalt+Tab und Escape und protokolliert jeden Schritt. Er meldet unerreichbare Elemente, verschwindenden oder unsichtbaren Fokus, fehlende Skip-Links und Tastaturfallen. Formulare füllt er nicht aus, und er bestellt nicht. Die Kassenschritte hinter einem gefüllten Warenkorb und das Zahlungs-Iframe gehen Sie also selbst. Der kostenlose Bericht umfasst bis zu 100 Seiten und den Tastatur-Agenten auf einer Seite Ihrer Wahl.
Fehlende Alt-Texte werden automatisch gefunden, und Reviseberg kann für ein Bild einen Alt-Text vorschlagen; entscheiden muss ein Mensch, und nichts wird in Ihre Artikeldaten zurückgeschrieben. Selbst testen müssen Sie weiterhin: ob Alt-Texte das Bild sinnvoll beschreiben, ob Fehlermeldungen verständlich sind und wie sich der Shop mit Screenreader und Zoom verhält. Agenten für Screenreader, Zoom und Sprachsteuerung sind noch nicht gebaut. Für diese Kriterien gibt es geführte manuelle Tests in der Plattform, und ein Kriterium, das niemand geprüft hat, gilt als ungeprüft – nie als bestanden. Es gibt kein plentymarkets-Plugin und keinen Connector, und wir setzen kein Overlay-Skript ein.
Geschrieben, um nützlich zu sein, nicht als Rechtsberatung. Stand: 27. September 2026.