Laut JTL ist das NOVA-Template ab JTL-Shop 5.5.0 barrierefrei [3]. Das ist eine gute Grundlage, aber keine Konformität für Ihren Shop. Rechtlich zählt, was bei Ihren Kundinnen und Kunden ankommt: Ihr Child-Template, Ihre Plugins, Ihre Inhalte aus dem OnPage Composer und die Artikeldaten aus JTL-Wawi. Das sieht JTL in seinen eigenen BFSG-FAQ genauso.
Gilt das BFSG für Ihren JTL-Shop?
Wer über JTL-Shop an Verbraucherinnen und Verbraucher verkauft, erbringt eine „Dienstleistung im elektronischen Geschäftsverkehr“ (§ 1 Abs. 3 Nr. 5 BFSG). Dafür gilt das BFSG seit dem 28. Juni 2025 [1]. Es setzt den European Accessibility Act um; andere EU-Länder haben vergleichbare Gesetze [5].
Ausgenommen sind Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen: weniger als zehn Beschäftigte und höchstens 2 Mio. € Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme (§ 2 Nr. 17, § 3 Abs. 3 BFSG) [1]. Reine B2B-Shops mit ausschließlich gewerblicher Kundschaft erbringen keine Dienstleistung für Verbraucher. Viele JTL-Händler verkaufen über die JTL-Anbindungen zusätzlich auf Amazon, eBay oder anderen Marktplätzen. Was für diese Seite gilt, erklären wir auf unserer Seite zur Ausnahme für Kleinstunternehmen und zu Marktplatz-Händlern. Ihr eigener JTL-Shop wird als die Dienstleistung beurteilt, die er ist.
Mehr zu Anwendungsbereich, Marktüberwachung und Pflichtinformationen lesen Sie unter BFSG für Onlineshops.
Was JTL-Shop mitbringt – und was nicht
Sie bekommen:
- Ein überarbeitetes Standard-Template. JTL hat NOVA mit Version 5.5 auf Barrierefreiheit optimiert und nennt semantisches Markup mit ARIA-Attributen für dynamische Inhalte, Tastaturbedienung mit sichtbarem Fokus, Kontraste, Formularbeschriftungen, eine logische Überschriftenhierarchie sowie Untertitel und Transkripte für eingebettete Videos [2][3].
- Ein Feld für Alt-Texte an der Quelle. Alternativtexte für Artikelbilder pflegen Sie in JTL-Wawi über das Attribut
img_altoder im OnPage Composer im Bild-Portlet [3]. Richtig gepflegt, reichen sie in den Shop durch. - Einen Consent-Manager im Kern. JTL-Shop 5 bringt eine eigene Einwilligungsverwaltung für Drittanbieter-Inhalte mit, die Sie im Backend konfigurieren [4]. Ein Fremd-Plugin brauchen Sie dafür nicht zwingend.
- Native Darstellungsarten für Variationen. In JTL-Wawi legen Sie fest, wie eine Variation im Shop erscheint: als Dropdown, Radiobuttons, Swatches, Textboxen oder Freitextfeld [6]. Dropdown und Radiobuttons sind native Formularelemente und am leichtesten richtig umzusetzen.
- Child-Templates, die auf Updates ausgelegt sind. JTLs Entwicklerdokumentation empfiehlt, einzelne Smarty-Blöcke anzupassen statt ganze
.tpl-Dateien zu ersetzen – gerade damit der Shop updatefähig bleibt [7].
Sie bekommen nicht:
- Barrierefreiheit Ihres Child-Templates. Wo Ihr Child-Template ganze
.tpl-Dateien ersetzt statt einzelner Blöcke, behalten diese Dateien nach dem Update ihr altes Markup. JTL weist selbst darauf hin, dass eine ersetzte Datei nach jedem Update geprüft werden muss [7]. Kauf-Templates von Drittanbietern haben ihren eigenen Stand. - Barrierefreie Plugins. JTL schreibt ausdrücklich: „Sie sind verantwortlich für die Barrierefreiheit Ihres gesamten Onlineauftritts. Dies schließt auch Module oder Funktionen (z. B. Buchungskalender, Bezahl-Plugins) von Drittanbietern ein.“ [3]
- Gepflegte Daten. Leere
img_alt-Felder, Artikelbeschreibungen mit kopiertem HTML aus Marktplatz-Listings und Videos ohne Untertitel bleiben Ihre Aufgabe.
Was wir auf JTL-Shops finden
Child-Templates auf altem Stand
Viele Shops haben ihr NOVA-Child vor 5.5 angepasst: Header, Artikelliste, Artikeldetail. Wo diese Anpassungen ganze Dateien ersetzen, läuft nach dem Update genau dort das alte Markup weiter – Links, die wie Buttons arbeiten, Icons ohne Namen, entfernte Fokusrahmen. Der Shop ist dann „auf 5.5“, verhält sich aber wie vorher.
Swatches und Konfiguratoren
Bild-Swatches und Textboxen sind die Darstellungsarten, bei denen am häufigsten etwas schiefgeht: Farbbilder ohne Text, eine Auswahl, die nur am Rahmen erkennbar ist, und Preise, die sich ohne Ansage ändern. Konfigurationsartikel mit vielen Schritten verschärfen das, weil jeder Schritt eine weitere Stelle ist, an der der Fokus verloren geht.
Lagerampel und Lieferstatus
JTL-Shop zeigt die Verfügbarkeit als Ampel in Grün, Gelb und Rot, hinter den Farben stehen Texte wie „Sofort verfügbar“ und „Momentan nicht verfügbar“ [8]. Zeigt ein Child-Template oder eine Listenansicht nur den farbigen Punkt, oder bietet sie den Text nur als title-Tooltip an, wird die Verfügbarkeit allein über die Farbe vermittelt. Das verstößt gegen 1.4.1 Benutzung von Farbe.
Mega-Menü und Merkmalfilter
Das Kategorie-Mega-Menü ist in Child-Templates oft auf Hover umgebaut. Merkmalfilter und Suchen aus Plugins laden Ergebnisse per JavaScript nach, ohne die Trefferzahl anzusagen, und setzen den Fokus zurück an den Seitenanfang.
OnPage-Composer-Inhalte
Redakteure bauen Landingpages mit Slidern, Bildergalerien und Überschriften im Composer. Überschriften-Ebenen werden nach Schriftgröße gewählt statt nach Struktur. Slider laufen ohne Pause. Bilder aus dem Composer bekommen keinen Alt-Text, weil niemand danach fragt.
Bestellvorgang, Zahlungs-Plugins und Captchas
Der mehrstufige Bestellvorgang ist in NOVA eine gute Basis. Zahlungs-Plugins betten aber Iframes und Express-Buttons ein, deren Fokusreihenfolge und Beschriftung Sie nicht kontrollieren. Captcha-Plugins an Registrierung und Formularen können 3.3.8 Barrierefreie Authentifizierung (Minimum) verletzen, wenn die Anmeldung von einem Rätsel ohne Alternative abhängt. Und Cookie-Banner aus Fremd-Plugins, die den eingebauten Consent-Manager ersetzen, stehen vor jeder Seite.
Wo Sie zuerst prüfen sollten
| Kriterium | Warum bei JTL-Shop | Automatisierbar |
|---|---|---|
| 2.1.1 Tastatur (A) | Swatches, Mega-Menü, Konfigurator | Teilweise automatisiert |
| 2.4.3 Fokus-Reihenfolge (A) | Filter, Warenkorb-Popup, Zahlungs-Iframe | Teilweise automatisiert |
| 2.4.7 Fokus sichtbar (AA) | Child-Template-CSS | Teilweise automatisiert |
| 4.1.2 Name, Rolle, Wert (A) | Icon-Buttons, Swatches | Teilweise automatisiert |
| 1.4.1 Benutzung von Farbe (A) | Lagerampel, Farb-Swatches | Nur manuell |
| 1.1.1 Nicht-Text-Inhalt (A) | Leere img_alt, Composer-Bilder | Teilweise automatisiert |
| 1.3.1 Info und Beziehungen (A) | Überschriften im Composer, Staffelpreis-Tabellen | Teilweise automatisiert |
| 4.1.3 Statusmeldungen (AA) | „In den Warenkorb“, Filtertreffer | Nur manuell |
| 3.3.1 Fehlererkennung (A) | Bestellvorgang, Registrierung | Nur manuell |
| 3.3.8 Barrierefreie Authentifizierung (Minimum) (AA) | Captcha bei Login oder Registrierung | Nur manuell |
Alle Kriterien stehen in WCAG 2.2 AA, Kriterium für Kriterium.
Eine sinnvolle Reihenfolge
- Auf ein aktuelles JTL-Shop-5-Release aktualisieren. Ohne die NOVA-Basis aus 5.5 korrigieren Sie Fehler, die JTL schon behoben hat. Welche Versionen noch Korrekturen bekommen, steht in JTLs Liste der unterstützten Produktversionen; JTL-Shop 4 steht nicht mehr darauf [9].
- Das Child-Template mit NOVA vergleichen. Jede vollständig ersetzte
.tpl-Datei ist ein Kandidat. Verlagern Sie Änderungen, wo es geht, in Smarty-Blöcke, übernehmen Sie das Markup aus 5.5 und löschen Sie Überschreibungen, die Sie nicht mehr brauchen. img_altin JTL-Wawi füllen. Beginnen Sie mit Ihren Top-Sellern und Kategoriebildern. Eine Korrektur in der Wawi wirkt überall, wo die Daten hinfließen.- Die Darstellungsarten der Variationen prüfen. Wo ein Bild-Swatch nur eine Farbe zeigt, ergänzen Sie einen Textwert oder stellen die Variation auf Radiobuttons oder Dropdown um.
- Plugins inventarisieren. Consent, Zahlung, Suche, Filter, Bewertungen: Entscheiden Sie pro Plugin, ob Sie es korrigieren lassen, ersetzen oder als bekannte Einschränkung dokumentieren. Fragen Sie Anbieter nach Testnachweisen.
- Den Bestellvorgang mit der Tastatur gehen – und nach jedem Update erneut prüfen. Kategorie → Filter → Artikel → Variation → Warenkorb → Gastbestellung → Zahlung im Testmodus. Rückschritte kommen mit Shop- und Plugin-Updates; ein regelmäßiger Crawl zeigt sie, bevor Kunden sie melden.
Was Reviseberg auf JTL-Shops prüft – und was Sie selbst testen
Reviseberg crawlt Ihren Shop einschließlich Kategorie- und Artikelseiten und führt auf jeder Seite alle axe-core-Regeln in einer Desktop-Breite von 1280 Pixeln aus; die Regeln, deren Ergebnis vom Layout abhängt – etwa Kontrast und Zielgröße –, laufen zusätzlich bei 360 Pixeln. Die Ergebnisse sind WCAG 2.2 A/AA und EN 301 549 zugeordnet. Befunde werden je Regel zu Issues zusammengefasst, mit den Seiten, auf denen sie auftreten. So sehen Sie schnell, ob ein Fehler aus dem Child-Template kommt (alle Artikelseiten) oder aus den Daten (einzelne Artikel). Sortiert wird danach, wie viele Punkte die Behebung bringt.
Der Tastatur-Agent öffnet die Seiten einer Journey, die Sie festlegen – Kategorie, Artikel, Warenkorb –, drückt auf jeder Tab, Umschalt+Tab und Escape und protokolliert jeden Schritt. Er meldet Tastaturfallen, unsichtbaren Fokus, fehlende Skip-Links und unerreichbare Elemente. Er wählt keine Variation, füllt den Bestellvorgang nicht aus und bezahlt nicht; diese Schritte gehen Sie selbst. Der kostenlose Bericht umfasst bis zu 100 Seiten und den Tastatur-Agenten auf einer Seite Ihrer Wahl.
Für fehlende Alt-Texte kann Reviseberg Formulierungen vorschlagen. Eine Person entscheidet, was davon in die Wawi übernommen wird; in Ihren Shop wird nichts geschrieben. Selbst prüfen müssen Sie weiterhin: ob Alt-Texte stimmen, ob die Lagerampel auch ohne Farbe verständlich ist und wie sich der Shop mit Screenreader und Zoom verhält. Agenten für Screenreader, Zoom und Sprachsteuerung sind noch nicht gebaut. Für diese Kriterien gibt es geführte manuelle Tests, und ein ungeprüftes Kriterium bleibt ungeprüft – es wird nie als bestanden gemeldet. Ein JTL-Plugin gibt es nicht, ein Overlay-Skript auch nicht.
Geschrieben, um nützlich zu sein, nicht als Rechtsberatung. Stand: 27. September 2026.