Glossar · Sprache & Medien

PDF/UA

Definition: PDF/UA („Universal Accessibility“) ist die internationale Norm ISO 14289-1 für barrierefreie PDF-Dokumente [4]. Sie legt fest, wie ein PDF technisch aufgebaut sein muss, damit assistive Technologien es lesen können: mit Tags für die Struktur, einer logischen Lesereihenfolge, Alternativtexten und Angaben zur Sprache. PDF/UA-2 (ISO 14289-2) ergänzt sie für PDF 2.0.

Englisch: PDF/UA · Auch: barrierefreies PDF · Zuletzt geprüft: 27. September 2026

Worum es geht

Ein PDF sieht auf dem Bildschirm aus wie gedrucktes Papier. Für einen Screenreader ist das Aussehen aber egal. Er braucht die Struktur dahinter: Was ist eine Überschrift, was eine Liste, was eine Tabelle, in welcher Reihenfolge wird gelesen? Diese Struktur steht in einem PDF in sogenannten Tags. Ein PDF ohne Tags ist für viele Menschen eine Seite voller Zeichen ohne Ordnung.

PDF/UA beschreibt, wie diese Tags und die übrigen Angaben aussehen müssen. Die Norm richtet sich an zwei Seiten: an Programme, die PDFs erzeugen, und an Programme, die sie lesen.

Was PDF/UA verlangt

  • Alle Inhalte sind getaggt: Überschriften, Absätze, Listen, Tabellen, Abbildungen, Links. Reine Dekoration wird als Artefakt markiert, damit sie nicht vorgelesen wird.
  • Die Lesereihenfolge folgt der Tag-Struktur, nicht der Position auf der Seite.
  • Abbildungen haben Alternativtexte, wie ein Alternativtext im HTML.
  • Tabellen haben Kopfzellen, damit Datenzellen zugeordnet werden können.
  • Die Sprache des Dokuments ist angegeben.
  • Ein Dokumenttitel ist hinterlegt und wird statt des Dateinamens angezeigt.
  • Text ist echter Text mit eingebetteten Schriften, kein Bild einer eingescannten Seite.

PDF/UA und WCAG

Die WCAG gelten für Webinhalte, und ein PDF auf einer Website gehört dazu. Das W3C veröffentlicht eigene Techniken dafür, etwa zu Alternativtexten und Überschriften in PDFs [1][2]. Die EN 301 549 enthält in Kapitel 10 Anforderungen an Dokumente, die keine Webseiten sind, und folgt dort weitgehend den WCAG [3]. PDF/UA beschreibt dagegen die Technik der Datei. Beides ergänzt sich: Ein PDF kann PDF/UA-konform sein und trotzdem einen unbrauchbaren Alternativtext enthalten.

So prüfen Sie ein PDF

Kostenlose Prüfprogramme wie PAC oder veraPDF testen den Teil von PDF/UA, den eine Maschine entscheiden kann: fehlende Tags, fehlende Sprache, nicht eingebettete Schriften. Das Matterhorn-Protokoll der PDF Association listet die Prüfpunkte auf und trennt, was sich automatisch prüfen lässt und was ein Mensch beurteilen muss. Ob ein Alternativtext passt, ob die Lesereihenfolge Sinn ergibt und ob Überschriften die richtige Ebene haben, entscheidet ein Mensch – am besten mit einem Screenreader.

Häufige Fehler

  • Eingescannte Dokumente ohne Texterkennung: Für einen Screenreader ist die Seite leer.
  • Automatisch getaggt, nie geprüft: Der Export setzt Tags, aber in falscher Reihenfolge.
  • Word-Dokumente ohne Formatvorlagen: Fette Zeilen werden keine Überschriften.
  • Tabellen als Bild.
  • Das PDF als einziger Weg zu wichtigen Informationen, obwohl eine HTML-Seite leichter barrierefrei zu machen wäre.

Wie Reviseberg damit umgeht

Von PDF-Dokumenten prüft Reviseberg nur einen kleinen Teil von PDF/UA: Der Crawl öffnet die PDFs, die Ihre Seiten auf Ihrer eigenen Website verlinken, und prüft, ob sie getaggt sind, ob die Tags Inhalt tragen, die Dokumentsprache, einen angezeigten Titel und Alternativtexte von Abbildungen. Ob die Lesereihenfolge stimmt, Tabellen, Kontrast, Schriften und Formularfelder prüft er nicht. Für eine vollständige PDF/UA-Prüfung brauchen Sie ein eigenes Prüfprogramm und eine manuelle Prüfung. Reviseberg sagt das offen, statt eine Website mit vielen PDFs als geprüft darzustellen.

Verwandte Begriffe

Alternativtext · Überschriftenstruktur · Screenreader · Sprachauszeichnung (lang) · EN 301 549 · Manuelle Prüfung

Weiterführend

Häufige Fragen

Was bedeutet PDF/UA?

UA steht für „Universal Accessibility“. PDF/UA ist die Norm ISO 14289 für barrierefreie PDF-Dokumente.

Was ist der Unterschied zwischen PDF/UA-1 und PDF/UA-2?

PDF/UA-1 (ISO 14289-1) baut auf PDF 1.7 auf (ISO 32000-1). PDF/UA-2 (ISO 14289-2) überträgt die Anforderungen auf PDF 2.0.

Reicht ein automatisches Prüfprogramm für PDF/UA?

Nein. Es findet technische Fehler wie fehlende Tags. Ob Alternativtexte und Lesereihenfolge stimmen, muss ein Mensch prüfen.

Ist ein getaggtes PDF automatisch barrierefrei?

Nein. Tags können falsch oder unvollständig sein. Erst eine Prüfung zeigt, ob die Struktur stimmt.

Quellen

  1. W3C, WCAG 2.2 Techniques, PDF Techniques – https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Techniques/#pdf
  2. W3C, Technique PDF1: Applying text alternatives to images with the Alt entry in PDF documents – https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Techniques/pdf/PDF1
  3. ETSI/CEN/CENELEC, EN 301 549 V3.2.1 (2021-03), Kapitel 10 – https://www.etsi.org/deliver/etsi_en/301500_301599/301549/03.02.01_60/en_301549v030201p.pdf
  4. ISO 14289-1, Document management applications – Electronic document file format enhancement for accessibility – Part 1: Use of ISO 32000-1 (PDF/UA-1)

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